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Veröffentlicht am 8. Juli 2021 | by mh-Redaktion

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Id – das Fest einer Ummah und der Vielfalt

Gerne erinnert man sich an die eigene Kindheit und die damit verbundenen Erinnerungen an Idul Fitr und Idul Adha zurück. Auch wenn die Traditionen sich von Generation zu Generation unterscheiden, so teilen alle das Gefühl von schönen Erinnerungen. Sei es das Tragen neuer Kleidung, Geschenke in Form von Geld oder Süßigkeiten oder auch nur der Besuch von Familie und Freunden an diesem Tag.  

Im Jahr 2020 wurden weltweit mehr als 1,9 Milliarden Muslime gezählt. Der muslimische Glauben kennt nicht nur eine Nation oder Kultur. Vielfältigkeit und Toleranz sind ein wichtiger Bestandteil des Islam und die Schönheit unseres Glaubens. Die Vielfältigkeit der muslimischen Gemeinschaft spiegelt sich auch in der Zelebrierung der Festtage wieder. Gerade in Deutschland, sowie generell in Europa, feiert man Id oftmals eingeschränkter als in Ländern mit einer muslimischen Mehrheit. Doch alle haben eins gemeinsam, die Verehrung Allahs an diesen Tagen. 

Idul Adha und Idul Fitr bilden die zwei Feste im islamischen Glauben. Für unseren geliebten Propheten (saw) war Id immer ein Fest der Barmherzigkeit und Wohltätigkeit. Nach dem Festgebet pflegte er zu sagen, dass man in Wohltätigkeit geben soll. So dass alle Menschen sich am Fest zugehörig fühlen und feiern können. Alle Muslime, unabhängig von ihrem Status, sollen an diesen Tagen Freude verspüren. Doch vor allen Dingen war Id ein Tag der Sadaqa für unseren Propheten (saw). 

Idul Fitr, auch als Fest des Fastenbrechens oder Zuckerfest bekannt, wird zum Ende des Ramadan gefeiert. Ramadan gilt im Islam als der heiligste Monat des gesamten Jahres. Es beginnt am Abend der Sichtung des Neumonds zum Ende des Monats Ramadan und endet am nächsten Abend. Das Ramadanfest stellt auch den ersten Tag des Monats Schawwal dar. 

Idul adha bedeutet Opferfest und ist das höchste islamische Fest. Das Fest wird in Erinnerung an den Propheten Ibrahim gefeiert.  In einem Traum wird Ibrahim von Allah aufgefordert, seinen Sohn Ismail zu opfern, als Beweis seiner Loyalität zu Allah und als Test seines Glaubens. Als Ibrahim Allahs Aufforderung nachkommen will, als Zeichen seines Glaubens und seiner Loyalität, und bereit ist, seinen Sohn zu opfern, bittet ihn Allah anstelle Ismails Ihm ein Tier zu opfern. Anstelle seines Sohnes hat Ibrahim einen Widder geopfert. Die Barmherzigkeit Allahs wird in dieser Geschichte besonders deutlich. 

Die herausragende Bedeutung von Allahs Barmherzigkeit und Weisheit aus dieser Geschichte gehört zu einem integralen Bestandteil unseres Glaubens. Jedes Jahr feiern Muslime weltweit das Opferfest und führen Ibrahims Opfer fort. Sie opfern, wie Ibrahim, ein Tier (in der Regel ein Schaf, eine Ziege oder ein Rind) als Ausdruck ihrer Dankbarkeit gegenüber Allah und Seiner Barmherzigkeit Ismail gegenüber. Das Opferfest stellt zugleich auch die Basis der Hadsch dar. Die Pilgerfahrt, die fünfte Säule des Islam, endet mit dem Opferfest und dem Opfern eines Tieres vor Ort. Anas Ibn Malik, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Wer bereits vor dem Festgebet geschlachtet hat, der hat für sich selbst geschlachtet, und wer nach dem Festgebet geschlachtet hat, der hat sein Opfer richtig dargebracht und nach der Sunnah der Muslime verfahren.“ [Sahih al-Buchari, Kapitel 66/Hadithnr. 5546].  

Idul Adha beginnt, nachdem die Hadsch vollendet ist. Die Feierlichkeiten dauern vier Tage an und beginnen mit dem Morgen nach Vollendung der Pilgerfahrt. 

Das Id selbst beginnt mit dem rituellen Festgebet. Wobei das Festgebet eine Besonderheit darstellt, da der Prophet (saw) zuerst das Gebet zu verrichten pflegte und erst anschließend seine Predigt hielt.  

In der Regel finden die Festgebete im Freien statt, sofern dies möglich ist. Der Prophet (saw) forderte alle Muslime auf, an diesem besonderen Tag am Festgebet teilzunehmen: die ortsansässigen Männer, Frauen, Kinder und Älteren. Selbst menstruierende Frauen nahmen am Festgebet teil. Sie hielten sich hinter den Betenden auf und sprachen mit ihnen gleichsam den Takbir und das Dua.   

Der Prophet (saw) pflegte die Menschen alle persönlich am Fest zu begrüßen. Die islamischen Feste sind Tage der Freude, des Teilens, der Fülle und des Beisammenseins. Der Tag ist durch Großzügigkeit, Offenheit und Festlichkeit geprägt. Muslime drücken ihre Freude an diesen Tagen mit viel Liebe, Frieden und Freundschaft aus.  

In westlichen Ländern geben sich Muslime oftmals viel Mühe, ihre nicht-muslimischen Nachbarn, Kollegen oder auch Freunde an diesen Tagen teilhaben zu lassen und laden sie daher ein, den islamischen Glauben zu erleben. In mehrheitlich muslimischen Ländern wird Id sehr viel intensiver und sichtbarer gefeiert, als wir das vielleicht in Mitteleuropa gewöhnt sind. 

In Pakistan beispielswiese beginnen die Festivitäten bereits am Abend der Sichtung des Neumonds. Frauen verbringen den Abend auf dem Bazaar, wo sie letzte Einkäufe für das Fest tätigen und sich ihre Hände mit Henna schmücken. SchneiderInnen haben bereits Wochen vor dem Fest viel zu tun, da sich Frauen extra für diesen besonderen Tag traditionelle Kleider schneidern lassen. Zu Id selbst werden die neu angefertigten Kleider und dazu passender Schmuck, insbesondere bunte Armreife, getragen. Traditionelle Gerichte sind ebenfalls fester Bestandteil des Festes. Dazu gehören mutton biryani, ein Reisgericht mit Hammelfleisch, und sheer khurma, eine süße Nudelspeise in Form eines cremigen Puddings, bestehend aus Milch, Rosinen und gehackten Nüssen.  

In Bangladesch gibt es jeweils zum Fest drei landesweite Feiertage, unabhängig davon, ob man Muslim ist oder nicht. An den Idfestivitäten nehmen Menschen aller Konfessionen teil. Am Abend der Mondsichtung kommen Familien und Freunde zusammen und beginnen das Fest am selben Abend. Es wird gegessen und man sitzt meist bis in die Nacht zusammen. Auch in Bangladesch gehört es zur Tradition, dass Frauen ihre Hände mit Hennabemalungen schmücken. An Id selbst und den darauffolgenden Tagen legt man großen Wert darauf, die schönsten Kleider zu tragen und besondere Gerichte zu kochen. Familie und Freunde werden besucht, ebenso gehört es zur Kultur am Tag des Fests die Gräber der Verstorbenen zu besuchen. Arme und Bedürftige werden am Fest besonders berücksichtigt.  

Nicht zu vergessen sind die Festgeschenke. Insbesondere Kinder freuen sich das ganze Jahr auf diese besonderen Tage. muslimehelfen war es dank unserer Spender möglich mit Hilfe unserer Partnerorganisationen vor Ort im Jahr 2020 Festgeschenke in Bangladesch und Sri Lanka zu verteilen. In Sri Lanka wurde neue Kleidung zu Idul Adha verteilt. Für insgesamt 22.000 Euro haben 2440 bedürftige Erwachsene und Kinder neue traditionelle Kleidung zum Opferfest erhalten, davon 525 Männer und 515 Frauen.  Berücksichtigt wurden vor allem Alte, Menschen mit Behinderungen und Kinder aus Kinniya, Thoppur und Muthur im Distrikt Trincomalee. Über 90 Prozent der Bevölkerung in dieser Gegend sind Muslime. Sie leben unterhalb der Armutsgrenze.  

Eine weitere Freude konnte man den Rohingya Flüchtlingen in Cox‘s Bazar mit neuer Kleidung machen. Zu Idul Fitr 2020 konnte muslimehelfen ebenfalls mit der Hilfe von Partnern vor Ort Festgeschenke verteilen lassen. 2100 Mädchen und Jungen aus 700 Rohingya-Familien haben neue Kleidung erhalten. Auch wurden 900 Kleidungsstücke an die Behörden vor Ort übergeben, so dass diese an Kinder aus bedürftigen Anwohnerfamilien übergeben werden konnten, die auch in den Lagern leben. Für knapp 20.633 Euro konnte Kleidung für 3000 Kinder gekauft werden. Die Kinder haben sich sehr gefreut. 

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Die Redaktion von muslimehelfen berichtet regelmäßig über die Arbeit von muslimehelfen. Informationen zu den Projekten und Kampagnen, aber auch Wissen & Tun Artikel werden im Namen der mh-Redaktion verfasst.



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